Lesung zur „Göring-Konferenz“ vom 12. November 1938 im Haus der Wannseekonferenz
Im Rahmen der Veranstaltungen rund um den 9. November veranstaltete die Friedrich-Ebert-Stiftung Brandenburg in diesem Jahr eine Lesung im Haus der Wannseekonferenz. Gelesen wurde aus dem Wortprotokoll der Sitzung bei Hermann Göring vom 12. November 1938, in der nationalsozialistische Funktionäre über den Umgang mit den Folgen der Zerstörungen des Novemberpogroms berieten.
Da eine reine, unkommentierte Wiedergabe dieses Dokuments aus der Perspektive der nationalsozialistischen Täter als problematisch angesehen wird, wurde die Lesung bewusst durch inhaltliche Interventionen unterbrochen. Eine Gruppe von fünf Schülerinnen und Schülern unserer Schule, darunter auch ich, beteiligte sich aktiv an der Gestaltung dieser Unterbrechungen. Zwischen den einzelnen Passagen des Protokolls trugen wir ergänzende Texte vor, insbesondere Berichte von jüdischen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die sehr persönlich über ihre Erfahrungen während und nach dem Novemberpogrom berichteten.
Durch diese bewusste Gegenüberstellung wurde das historische Dokument kritisch eingeordnet. Die sachliche, bürokratische Sprache der Täter traf direkt auf die Stimmen der Betroffenen und machte die konkreten Folgen der nationalsozialistischen Gewalt deutlich. Gerade dieser Wechsel zwischen Protokollauszügen und persönlichen Zeugenberichten verlieh der Lesung eine besondere Eindringlichkeit.
Während der Veranstaltung war im Publikum eine große emotionale Betroffenheit spürbar. In den anschließenden Rückmeldungen hoben viele Zuhörerinnen und Zuhörer hervor, wie bewegend und zugleich aufrüttelnd dieses Format gewesen sei. Besonders die persönlichen Berichte der Betroffenen hinterließen einen nachhaltigen Eindruck und regten zum Nachdenken an.
Aus unserer Sicht stellte die Lesung im Haus der Wannseekonferenz eine wichtige und gelungene Form der Erinnerungskultur dar. Eine erneute Durchführung dieses Formats in der Zukunft wird von vielen Beteiligten und Zuhörenden ausdrücklich befürwortet.
Für das Aktivteam Politik: Viktoria Goericke, Fridolin Röser




